3.1 Idee und Arbeitsthema
Am Ende des Projektes sah der Kasernenplatz wie folgt aus: eine grossräumige Stadt aus Containern öffnete während der Festivalwoche des Schweizer Kinder- und Jugendtheaterfestivals SPOT ihre Türen und das Publikum konnte bei der Planung einer virtuellen Stadt – Basel im Jahr 2020 – zuschauen, fragen und anregen. Auf den Dächern der Container-Stadt und in ihren Zwischenräumen wurden Modelle mit einfachen und komplexen Formen gebaut. So entstand über 6 Tage eine Modellstadt auf dem Kasernenareal.
Das zentrale Thema, das aus verschiedenen Perspektiven bearbeitet wurde, lautete: Wie stellst Du Dir Deinen Lebensraum in Basel in 10 Jahren vor?
Diese Frage bezog sich zum einen auf den eng definierten Kernstadtraum von 37,2 qkm, aber auch auf die Agglomeration Basel sowie die Trinationale Region. Damit eröffnete diese Frage Möglichkeiten von Entwürfen in die Höhe und in die Fläche, verbunden mit Themen, die die Generation der heute 6 bis 16 Jährigen bewegt. Alle Teil-Projekte führten Kinder & Jugendliche an den Gedanken heran, die Stadt als einen Gestaltungsspielraum zu betrachten und nicht als etwas statisch Gegebenes hinzunehmen. In der Zusammenarbeit mit engagierten Lehrpersonen, Architekten, Szenografiestudenten und Künstlern haben Kinder und Jugendliche über einen Zeitraum von einem Schuljahr Untersuchungen im Stadtraum durchgeführt, Umsetzung von Stadtplanungsideen in Entwürfe gelernt und schliesslich eigene Entwürfe und Modelle präsentiert.
3.2 Realisierung
1. Teil: learning the city (Okt – Dez 2009)
Die Architektur-Büros der Stadt Basel wurden aufgerufen, im ersten Halbjahr des Schuljahres 09/10 den Unterricht für eine Schulklasse zu gestalten. Basel, die Stadt der Architekten sollte sich auf die jüngste Generation zubewegen und diese nach ihren Zukunftsvisionen befragen. Der erste Teil des Projektes bestand aus der Arbeit von 12 Basler Architekturbüros mit den SchülerInnen im Rahmen des Schulunterrichts, Projektwochen, Freiwahlkursen und Arbeitsgemeinschaften, in denen die Architekten den Unterricht mit den Lehrern gestalteten. Damit die SchülerInnen im zweiten Teil selber zu Stadtplanern werden können, wurden sie im ersten Teil mit Grundfragen vertraut gemacht. Umgekehrt wurden Formate geplant, die die Stadtplaner und Architekten mit einer anderen Sichtweise der SchülerInnen konfrontierten.
2. Teil: dreaming the city (Jan – Feb 1010)
Im zweiten Teil ging es darum, konkrete Ideen zur Stadt der Zukunft zu entwickeln. Jedes Architekturbüro arbeitete mit seiner Schülergruppe zur Frage: Wie stellst Du Dir Deinen Lebensraum Basel in 10 Jahren vor? Nachdem also die Grundlagen zur Raum- und Stadtwahrnehmung im ersten Teil des Projektes erforscht wurden, ging es im zweiten Teil des Projekts darum, die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen näher zu erforschen: welche Wünsche, welche Anforderungen und Notwendigkeiten sehen Kinder und Jugendliche, wenn sie den Stadtraum plötzlich frei gestalten könnten? Ziel dieser Arbeitsphase war es, einige wenige ausgewählte Visionen als feste Orientierungspunkte für die Ausstellung zu fixieren.
3. Teil: building the city (März – Mai 2010)
Im dritten Teil kam in jede Schulklasse ein Team von Szenografiestudenten, die im Rahmen ihrer Semesterarbeit, begleitet von Dozenten für Innenarchitektur und Szenografie, mit den SchülerInnen gemeinsam ein Ausstellungskonzept für die Visionen entwickeln sollten. Dabei ging es insbesondere darum, die Ideen und Visionen als Ausstellungsgegenstände zu behandeln, aber auch eine sinnliche Form der Ausstellungsgestaltung zu finden, die den Kindern und Jugendlichen gerecht wird. Für die Umsetzung arbeiteten die Studenten gemeinsam mit den SchülerInnen an Modellen und Präsentationsformaten.
4. Teil: showing the city (Juni 2010)
Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Schweizer Kinder- und Jugendtheaterfestivals SPOT in einer Containerstadt auf dem Kasernenplatz präsentiert. Während einer Woche war die Ausstellung für ein breites Publikum geöffnet. Darüber hinaus gab es spezielle Führungen und Veranstaltungen für alle Schulstufen, sowie ein Architekturfest für die ganze Familie. Mit 1650 Zuschauern und einer breiten medialen Berichterstattung war das Projekt auch ein wichtiger Impuls für die kantonale Stadtentwicklung: Die Stadt wird nun wahrgenommen, dass neben der Fachperspektive auch die Einbeziehung der Jugend neue Wege in der Stadtplanung einleiten kann. Dieses verändernde Denken bleibt ein Hauptziel des Kinderstadtprojektes „Stadt.Plan.2020“ und wird mit der vorliegenden Buchveröffentlichung und weiteren Projekten fortgeführt.